ETCS L2: Zwischenbericht der HECH Arbeitsgruppe
Zwischenbericht Arbeitsgruppe ETCS L2, Stand 26. März 2026
Diese Arbeitsgruppe ist im Sommer 2024 ins Leben gerufen worden, nachdem die zu erwartenden extrem hohen finanziellen Folgen für die Halter von historischen Lokomotiven erkannt wurden, in der Folge der damaligen Ankündigung der ISB (vor allem SBB) und des BAV, den ETCS-Level 2 forciert auf dem Streckennetz einzurichten.
Damaliger Kenntnisstand, bestätigt von Siemens Schweiz AG im Jahr 2024: Umrüstung eines Triebfahrzeuges in etwas „abgespeckter“ Version = ca. CHF 800‘000.00. die jährlich zu erwartenden Update-Kosten sind noch nicht bekannt. Eine Baumaschine der Firma Porr wurde versuchshalber so ausgerüstet. Sollten solche Kosten künftig für den Betreib von historischen Loks unvermeidlich werden, bedeutete das das Aus für deren Betrieb auf dem öffentlichen Schienennetz.
Daniel Wirth, Beratender Ingenieur Bahn-Signaltechnik hat in dankenswerter Weise die Initiative ergriffen. In der Arbeitsgruppe haben seither Mitglieder des HECH-Vorstandes und des Vereins Mikado1244, zeitweise ein Vertreter des BAV, sowie namhafte Repräsentanten der Industrie und externe Fachspezialisten einen sachbezogenen Wissens- und Erfahrungsaustausch an mehreren Besprechungen in vertraulichem Rahmen bestritten. Wichtig ist auch, dass das Thema der künftigen digitalisierten Eisenbahn-Signaltechnik auch für alle Fahrzeuge der „gelben Flotte“ von eminenter Kosten-Bedeutung sein wird.
Unsere Arbeitsgruppe ist sich unisono einig in der Erkenntnis, dass in verschiedenen Ländern in Europa – auch in der Schweiz – ETCS als einziges Zugsicherungssystem eingeführt ist oder noch wird. Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien tun sich allerdings schwer diese Technologie flächendecken in ihrem Netz einzusetzen. Die öfters notwendigen Wechsel von Versionen und Baseline mit entsprechend komplexen und langwierigen Zulassungsprozessen machen das System träge und unflexibel und sehr teuer. Die ursprünglich erwarteten Kapazitätsgewinne auf dem bereits heute sehr dicht befahrenen SBB-Netz und in Bahnhöfen sind bisher nicht verifiziert. Die bei der ERA (Europaen Rail Agency) und diversen Landesbahnen (DB, SNCF, NLS, FS u.a.) seit Jahren laufenden Einführungsarbeiten summieren sich zu vielen 100 Mio. Euro pro Jahr ohne überzeugenden Mehrwert. Immense Kosten fallen an, um das eingeführte System auf dem aktuellen Stand der Anforderungen (und Wünsche) zu halten, da das ETCS-System sehr komplex geworden ist.
Das ursprüngliche Ziel, dass mit einem einheitlichen Sicherungssystem durch ganz Europa gefahren werden kann, wurde dadurch belastet, dass die nationalen Eigenheiten nicht wie im Konzept vorgesehen durch Parameter über die Balisen übermittelt werden, sondern als Software-Ergänzungen in die Fahrzeugelektronik integriert wurde. Dies hat zur Folge, dass die Fahrzeugelektronik nach 30 Jahren Entwicklung so komplex geworden ist, dass jede Neuerung oder Erweiterung Millionen kostet, ohne wirklichen Mehrwert oder Mehrnutzen zu generieren. Damit hat sich die erstrebenswerte Interoperabilität beim Reise- und Güterverkehr in ein hyperkomplexes, schwer wartbares System entwickelt, welches wegen der immensen Kosten kaum noch wirtschaftlich vertretbar ist. Es kommt dazu, dass sich in den europäischen Ländern die Priorität zugunsten der Sicherheit verschoben hat. Deshalb ist es ratsam, dass sich jedes Land, jede Bahn gut überlegt, wie die weitere Umsetzung von ERTMS erfolgen soll.
Unsere Arbeitsgruppe sieht es als notwendig an, das Thema ERTMS (ETCS und GSM-R) zeitnah an die Öffentlichkeit zu bringen, namentlich an die Verkehrskommissionen von National- und Ständerat sowie an das BAV. Es geht dabei genauso auch um die Interessenwahrung aller Steuerzahler und Benutzer des öffentlichen Verkehrs. Die erkennbar riesigen Kosten für die generelle ERTMS-Umrüstung müssen publik gemacht und aktiv in Frage gestellt werden. Um uns Gehör zu verschaffen, reicht es nicht aus, unsere begründete Kritik zu formulieren. Es braucht ein ausformuliertes, technisch belastbares, Zukunft fähiges Grobkonzept mit einem fundamental anderen Denkansatz für die sinnvolle Anwendung digitaler Technik in der Eisenbahn-Betriebsführung und Sicherheitsarchitektur. Dies soll erreicht werden gemäss dem ganz ursprünglichen Ansatz durch strikte Trennung von sicherheitsrelevanten- und leittechnisch/betrieblichen Funktionen. Dieses Grobkonzept will die Arbeitsgruppe mit mehreren Workshops bis Herbst 2026 erarbeiten und dann in geeigneter Weise bekannt machen.
Dürnten, 06. Mai 2026 / HECH, J. Meyer / D.Wirth
Der HECH-Vorstand fügt hier noch an:
Auch bei den Meterspurbahnen wird das Thema Digitalisierung der Sicherungs- und der Betriebsleitung immer aktueller. Das ZSI 127 Zugsicherungssystem steht vor der Tür. Die von der Arbeitsgruppe ETCS L2 ausgehenden konzeptionellen Vorschläge können auch für die Entwicklung bei den Meterspurbahnen von Bedeutung sein.